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Eigene Jungpflanzen ziehen – Dachgemüse sagt dir wie!

Eigene Jungpflanzen ziehen – Dachgemüse sagt dir wie!

Egal ob Profi-Gärtner oder Anfänger, spätestens im Januar beginnt es in den Fingern zu kribbeln und man sehnt sich nach dem ersten Grün, nach dem In-der-Erde-wühlen, nach dem Garten/Balkon/Park. Wer seine eigenen Jungpflanzen vorziehen will, sollte sich trotzdem mindestens bis Mitte Februar gedulden. Vorher sind die Tage noch zu kurz, es gibt zu wenig Licht und so können keine gesunden Pflanzen heranwachsen. Dem kann man natürlich mit Kunstlicht entgegenwirken, aber wir warten lieber noch ein bisschen und orientieren uns am Kreislauf der Natur.

 

Was man beim Aufziehen eigener Jungpflanzen beachten sollte, haben wir in diesem Artikel zusammengestellt:

 

Eigentlich ist das mit dem Pflanzen ziehen gar nicht schwer.

Du benötigt:

  • Ein Gefäß: vom ausgewaschenen Joghurtbecher bis zum Profi-Anzuchttopf ist alles denkbar. Wichtig ist nur, dass das Gefäß nicht lichtdurchlässig ist und im Boden ein Loch ist, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
  • Erde: das einfachste ist fertig gekaufte Aussaaterde aus dem Bau-/Gartenmarkt. Fortgeschrittene mischen sie selbst aus 10% Sand, 20% Mutterboden/Gartenerde/Kokosfasern und 70% Kompost.
  • Saatgut: Saatgut Deiner Wahl, beachte Aussaattermine und die Lagerfähigkeit verschiedener Sorten. Zu den ersten Sorten, die im Februar ausgesät werden können, gehören Paprika, Physalis, Auberginen, Artischocken und Knollensellerie.
  • Wasser: zum angießen benötigst Du einfaches Leitungswasser oder Regenwasser.

7 Schritte zur selbstgezogenen Gemüsepflanze

  1. Nimm Dein Gefäß, füll es mit Erde und drücke die Erde leicht an.
  2. Dann mach mehrere kleine Löcher in die Erde (mit einem Finger, Stift oder Pikierstab)und setze je einen Samen hinein.
  3. Fülle die Löcher wieder mit Erde auf und drücke diese wieder leicht an.
  4. Dann gieße die Erde vorsichtig, sodass die Samen nicht weggeschwämmt werden und stelle dein Gefäß an einen hellen, warmen Ort. Am besten eignet sich ein Fenster über einer Heizung Richtung Süden.
  5. Für die Keimung kann es hilfreich sein, das Gefäß mit Frischhaltefolie oder einem transparenten Plastikbecher abzudecken. Macht ein paar Löcher rein, damit die jungen Pflänzchen nicht ersticken.
  6. Und jetzt kommt der schwierigste Teil: Warten! Je nach Sorte und Umgebungsbedingungen sollte nach 5 – 20 Tagen das erste Grün zu sehen sein.
  7. Erst wenn das zweite voll ausgebildete Blattpaar zu sehen ist, können die Pflänzchen vereinzelt (pikiert) werden und in ihren ersten eigenen Topf umziehen.

Dennoch kann es passieren, dass deine Pflänzchen nicht so wachsen wie sie sollen oder ungesund aussehen. Dafür kann es verschiedenste Gründe geben.

Mögliche Ursachen für schlechtes Jungpflanzen-Wachstum:

  • „Überständigkeit“: wenn man zu früh beginnt Pflanzen vorzuziehen und sie zu lange in zu kleinen Töpfen bleiben, stellen sie das Wachstum ein und erholen sich auch nach dem Auspflanzen nicht mehr.
  • zu wenig Licht: gerade Anfang des Jahres sind die Sonnenstunden noch nicht ausreichend, um genug Licht für die kleinen Pflanzen anzubieten. Wer vor März mit dem aussäen beginn, sollte den Lichtmangel mit künstlicher Beleuchtung ergänzen! Um das Lichtangebot zu vergrößern, könnt ihr auch einen Spiegel hinter die Töpfe stellen, um das Tageslicht zu reflektieren.
  • zu viel Wasser: einer der häufigsten Fehler ist es die kleinen Pflänzchen zu ertränken. Wenn die Erde zu feucht ist, bekommen die Wurzeln keinen Sauerstoff und verfaulen. Deshalb ist es wichtig, dass überschüssiges Wasser durch Löcher im Boden des Pflanzgefäßes ablaufen kann. Die Erde sollte zwar feucht, aber nicht zu nass sein! Wenn Du die Erde zusammendrückst und Wasser herausläuft, hast Du zu viel gegossen.
  • zu hell: während der oberirdisch Teil der Pflanze viel Licht braucht, mögen es die Wurzeln am liebsten dunkel. Nutzt man zum aussäen z.B. durchsichtige Plastikbecher werden sich die Wurzeln nicht richtig entwickeln, weil sie sich vorm Licht verstecken. Deswegen solltest Du am besten lichtundurchlässige Gefäße für die Anzucht verwenden!
  • schlechte Nachbarn: sät man verschiedene Gemüsesorten in den gleichen Topf kann es passieren, dass sich die Pflanzen gegenseitig im Wachstum hemmen. Nicht alle Pflanzen vertragen sich miteinander (mehr dazu unter Mischkultur im Kübel). Der sicherste Weg ist es für jede Sorte ein eigenes Töpfchen zu nutzen.
  • zu kalt/ zu warm: jedes Saatgut hat eine bestimmte Keimtemperatur. Während wärmeliebende Pflanzen, wie Chilis min. 22°C benötigen, um zu keimen, benötigen andere Sorten einen Kältereiz, damit der Samen aufgeht. Bärlauch und Kerbelrübe beispielsweise brauchen über mehrere Wochen < 10°C damit sie zu keimen beginnen. Solche Sorten sollte man aber sowieso besser direkt ins Freiland säen. Wenn man sie trotzdem drinnen vorziehen will, kann man sie einfach in den Kühlschrank stellen.
  • zu kleiner Topf: wenn der Topf zu klein ist, stellt die Pflanze ihr Wachstum ein. Deshalb müssen kleine Jungpflanzen nach einiger Zeit in größere Töpfe umgepflanzt werden. Für Salate und Kohlrabi sind Töpfe mit 4cm Durchmesser ausreichend, Gurken brauchen mindestens doppelt so große Gefäße und Tomaten besser 10 cm. Wenn das Wachstum Eurer Jungpflanzen stagniert oder die Blätter blass/gelblich aussehen, wird es Zeit sie umzutopfen.
  • „Verschulen“: Tomaten lieben es von ganz kleinen in immer größere Töpfe umgesetzt (verschult) zu werden. Das regt das Wurzelwachstum an und fördert gesunde Pflanzen. Das komplette Gegenteil sind Kürbisgewächse. Gurken, Zucchini und Co. haben sehr empfindliche wurzeln und mögen es überhaupt nicht umgetopft zu werden. Deshalb sollte man diese Pflanzenfamilie erst im April Indoor aussäen und dann direkt ins Freiland überführen. Idealerweise nutzt man dafür Aussaattöpfe die verrotten, sodass man das Wurzelgeflecht gar nicht mehr herausheben muss.
  • die falsche Erde: die Erde für die Aussaat sollte nicht vorgedüngt sein, da die Düngersalze für die feinen Jungpflanzenwurzeln zu aggressiv sind. Außerdem kann es sinnvoll sein die Erde vor Verwendung zu sterilisieren, d.h. bei 150°C für ca. 40 min in den Backofen zu schieben. So tötet man Keime, Schimmelpilze und andere Krankheiten ab, welche die Entwicklung der Jungpflanzen hemmen könnten.
  • das falsche Wasser: einige Pflanzen reagieren empfindlich auf Wasser mit zu starkem Kalkgehalt, weil Kalk die Aufnahme anderer Nährstoffe hemmen kann. Auch zu kaltes Wasser mögen wärmeliebende Pflanzen nicht so gern. Am besten geeignet ist lauwarmes Leitungswasser mit neutralem pH-Wert oder Regenwasser.
  • zu altes Saatgut: nach einer gewissen Zeit verliert Saatgut an Keimfähigkeit. Dann sind die Samen unfruchtbar. Es kann aber auch passieren, dass zwar noch eine Pflanze keimt, diese sich aber nur kümmerlich entwickelt. Hier ein Überblick über die Haltbarkeit von Saatgut. Die Literatur macht hierzu sehr unterschiedliche Angaben, im Zweifel einfach ausprobieren.

 

Sorte Haltbarkeit in Jahren
Artischocke > 5
Aubergine > 5
Basilikum > 5
Bohnen 4
Chili, Paprika 4
Dill 3
Endivien 8
Erbsen 3
Feldsalat 2
Fenchel 3
Gurken > 5
Kapuzinerkresse 4
Kohlarten (Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Rosenkohl, Grünkohl,…) 5
Kresse 4
Kürbis > 5
Mais 4
Mangold 5
Mediterrane Kräuter (Salbei, Thymian, Majoran, Oregano, Bohnenkraut) 3
Möhren 3
Pastinaken 2
Petersilie 2
Petersilienwurzel 2
Phacelia 5
Physalis > 5
Portulak/Postelein 5
Radieschen 4
Rettich 4
Rote Beete 5
Salat 4
Schnittlauch 2
Schwarzwurzeln 2
Sellerie 3
Senf 5
Sonnenblumen 4
Spinat 4
Steck- und Runkelrüben 5
Tomaten > 5
Zucchini > 5
Zwiebeln 2

 

Autor: Dachgemüse

 

Über den Autor: Dachgemüse ist mit ihrem kleinen Shop seit einigen Tagen online und bietet interessante Seminare rund um das Thema urbane Bepflanzung! Schaut doch mal vorbei, wir finden die Idee wirklich super!

 

Kommentare (1)


  1. Schöner Artikel 🙂

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